
Der EU Neuwagen-Reimport


Der nächste Autokauf kommt bestimmt. So mancher preisbewusste Käufer möchte gerne sparen. Der Preisvergleich bringt es an den Tag. Von freien deutschen Importeuren können Sie hin und wieder bis zu 20 Prozent günstiger einkaufen, in der Regel werden Sie jedoch mindestens 10 bis 15 Prozent Nachlass erhalten. Sie werden sagen: "Wenn ich nur hartnäckig genug beim Vertragshändler in die Preisverhandlung gehe, bekomme ich dort ebenfalls zehn Prozent Nachlass." Das ist richtig, jedoch fängt das Handeln beim freien Händler bei dem um 10 bis 15 Prozent ermäßigten Preis erst richtig an.
Die Preisunterschiede sind also enorm, der Fachmann staunt, der Laie wundert sich. Da nun aber auch der deutsche EU-Importeur etwas verdienen muss, hat er die Autos noch günstiger eingekauft. Wie ist das möglich?
Ganz einfach. Er hat sich die Neuwagen aus dem europäischen Ausland beschafft (und damit "reimportiert"). Ein Wagen muss aus diesem Grunde um 20 bis 30 Prozent günstiger sein als in Deutschland. Ein gefundenes Fressen für findige Autohändler, der Kunde ist zufrieden, oder gibt es da einen Haken? Eigentlich nicht, wir werden an späterer Stelle jedoch noch darauf eingehen, worauf Sie beim EU-Neuwagen-Reimport achten sollten.
Ausgefuchste Autohändler haben schon Anfang der 70er Jahre begonnen, sich Autos aus benachbarten EU-Ländern zu holen und sie in Deutschland zu vertreiben, oder auch umgekehrt. Das hing immer von zwei Faktoren ab, zum einen vom Wechselkurs (was nach der Währungsunion nicht mehr für alle EU-Staaten relevant ist) und zum anderen von der Preispolitik der Herstellerwerke und Importzentren. Je nach Währungsunterschieden und Preisgestaltung wurde fleißig mal von hier nach dort oder wiederum von dort zurück gehandelt. So gab es eine Zeit, in der Autos aus Belgien zu Hunderten täglich die Grenze nach Deutschland passierten. Mal war Dänemark das favorisierte Land. Halb Dänemark wurde von Deutschen leer gekauft. Gerade Dänemark war zeitweise besonders interessant und ist es immer noch, weil die Nettowarenwertpreise im Verhältnis zu den deutschen extrem niedrig liegen. Der Grund liegt in der Steuerpolitik der Dänen. Bis zu 200 Prozent auf den Nettopreis heimst sich der Fiskus dort ein.
Dann wurden zeitweise aus Frankreich gewisse Fahrzeugtypen zuhauf importiert und unter die Deutschen gebracht. In erster Linie französische Modelle. Die Werke und Importzentren reagierten mit Preisnivellierungen, schon war es wieder aus mit dem billigen Import.
Der Dollar stieg in den Jahren zwischen 1984 und 1987 stark an, dass Wagen wie Mercedes 450 SE, SEL, 450 SEL 6,9 (116er Modell), alle Mercedes S-Klassen (126er Modell), große BMW und alle Porsche in den USA reißenden Absatz fanden. Aus sämtlichen europäischen Ländern, inklusive Österreich und Schweiz wurden sie zusammengekauft und über den großen Teich verschifft. Als das vorbei war, wollte keiner mehr die "Großen" haben.
Daraufhin wurden sie, wenn auch in sehr viel geringerer Menge, nach Spanien, Taiwan, Japan und Hong Kong verkauft. Ende der 90er Jahre kamen wiederum zigtausende Autos aus den USA zu uns nach Europa, bis der Dollar die 1,80-DM-Marke passierte.
Als die Lira Mitte der 80er Jahre auf über 1,50 Mark stand, wurden VW Golf (hauptsächlich GTD), Fiat, Lancia und kleinere Mercedes-Modelle täglich zu Hunderten über den Brenner verfrachtet. Die Lira fiel, dann ging es den umgekehrten Weg. Anfang 1996 stieg die Lira (1 000 Lire) wieder auf ungefähr eine Mark, schon war die Ersparnis bei vielen Modellen wieder so gering, dass sich der EU-Reimport nach Deutschland kaum noch lohnte.
Sie sehen, es ist ein ewiges Hin und Her. Ab- oder Aufwertungen irgendwelcher Währungen, Steuererhöhungen oder -senkungen, Subvention von Diesel- oder Kat-Fahrzeugen und vieles, vieles mehr, können schnell Änderungen im Preisgefüge des internationalen Graudeals bringen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Auch EU-Länder, die zurzeit völlig uninteressant für den EU-Neuwagen-Reimport sind, wurden von uns recherchiert. Denn es könnte sein, dass es das Importmekka von morgen ist.







