Der EU Gebrauchtwagen-Reimport

Vereintes Europa, das heißt auch freier Einkauf auf dem europäischen Gebrauchtwagenmarkt ohne große Hindernisse. Wer Lust, Zeit und Geld hat, kann also durch ganz Europa reisen und sich seinen Wunschwagen aussuchen und mitnehmen. Denkbar wäre auch, ein paar Urlaubstage für den Autokauf abzuzweigen und so die Familienkasse durch einen preiswerten Einkauf zu entlasten.

Wie der Gebrauchtwagenkauf praktisch vor sich geht, beschreibt übrigens unser Buch im entsprechenden Kapitel.

Aber zunächst, wo lohnt sich was?

Dänemark beispielsweise können Sie bezüglich EU-Gebrauchtwagen-Reimport von vornherein außer Acht lassen. Der gleiche Umstand, der die Neuwagen in Dänemark so günstig macht, bewirkt bei den Gebrauchtwagen das Gegenteil. Wird nämlich ein Fahrzeug in Dänemark zugelassen, muss der Besitzer ca. 200 Prozent Zulassungssteuer und Mehrwertsteuer auf den Wagenpreis an das dänische Finanzamt entrichten. Diese hohen Steuern liegen dann auf dem Fahrzeug und lassen sich auch nicht wieder herausziehen. Das Auto ist damit für den Export verloren. Ein dänischer Gebrauchter ist also fast dreimal so teuer wie ein deutscher. Einzige Ausnahmen hiervon machen die Vorführwagen der Vertragshändler, einige Fahrschulwagen oder Mietfahrzeuge, weil auf diese keine Zulassungssteuer zu entrichten ist. Nur ist diese Anzahl so gering, dass nur wenige Leute davon profitieren können.

Ebenso sieht es mit Griechenland und Portugal aus. Dort schläft man noch den Dornröschenschlaf weitab vom großen Autodeal. Die weiten Entfernungen verteuern den Import und darüber hinaus vereiteln die hohen Zulassungssteuern, die auf Gebrauchtwagen lasten, den Import. Kurz gesagt, es lohnt sich nicht.

Der Gebrauchtwagenkauf in Italien kann hin und wieder ein lohnendes Geschäft sein. Auch lohnt es sich manchmal, aus Süditalien Youngtimer und Liebhaberwagen nach Deutschland zu holen. Nicht, weil sie viel günstiger sind, sondern weil der Rost unter süditalienischer Sonne nicht so stark nagt.

Auch Käufer von Motorrädern, in erster Linie Liebhaber klassischer italienischer Modelle, werden gut und relativ günstig bedient.

In Spanien wird der Suchende allmählich fündig werden, allerdings nicht von privat. Wiederum verhindern die Zulassungssteuern das große Geschäft. Spanien ist aber ein Touristenland. Das wiederum heißt, es gibt viele Mietwagen, die nach drei bis neun Monaten wieder abgestoßen werden. Hier ist ein Schnäppchen zu machen. Die beliebtesten Fahrzeuge, die zumeist eingesetzt werden, sind Opel Corsa und Ford Focus. An einem dieser ausrangierten Mietwagen lassen sich vereinzelt bis zu 2 500 Euro gegenüber der Schwacke-Notierung für deutsche Wagen sparen. Aber, und nun kommt wieder das große Aber, Sie können davon ausgehen, dass diese Autos in einem miserablen Gesamtzustand sind. Obwohl die Wagen relativ neu sind und auch einen niedrigen Tachostand aufweisen, werden sie meist recht unsanft oder unsachgemäß behandelt. Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten sind Fremdwörter. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, sollte es ruhig einmal versuchen. Ein beschmutzter Sitz, kleine Kratzer oder ähnliche Mängel lassen sich leicht wieder beheben. Allerdings sollten Sie das Fahrzeug vor dem Kauf genauestens genau unter die Lupe nehmen.

In Frankreich sieht es ähnlich aus. Junge Gebrauchte können sich durchaus lohnen. Italienische Fahrzeuge, aber auch Golf, Passat und Escort sind manchmal interessant. Ungefähr zehn bis 20 Prozent lassen sich gegenüber dem deutschen Preis für den Gebrauchten hin und wieder sparen, allerdings sind diese Wagen nur in begrenzter Stückzahl aufzutreiben. Auch hier werden pingelige Autofahrer sich mit Grausen abwenden. Manche Gebrauchtwagen sehen wirklich verheerend aus. Die Franzosen sehen das Auto mehr als Gebrauchsgegenstand. Dementsprechend ist der Zustand.

Die Benelux-Staaten sind für den Gebrauchtwagenkauf um einiges interessanter. Wer sich ein wenig umschaut, wird manchmal mit einem zehn bis 20 Prozent günstigeren Preis gegenüber dem deutschen Gebrauchtwagenpreis belohnt werden. Das gilt für die meisten gängigen europäischen und japanischen Fahrzeuge. Die Niederlande machen aber zumindest für jüngere Gebrauchte eine Ausnahme. Auf einen Neuen werden dem Holländer neben der Mehrwertsteuer noch 45,2 Prozent Zulassungssteuer berechnet. Pro Monat, den das Fahrzeug nun auf holländischen Straßen fährt, wird ein Prozent dieser Steuer "gutgeschrieben". Dann sind erst nach über acht Jahren (100 Monaten) diese Zulassungssteuern abgegolten und der Wagen nähert sich dem deutschen Preisniveau. Weil aber jüngere Gebrauchte noch teurer sind, steigt auch der Preis für die älteren. Kurz: Gebrauchtwagenkauf ist in Holland selten lohnenswert, in Belgien und Luxemburg eher. Aber auch hier gilt: Genau auf die Optik und Technik schauen.

Irland und England nehmen sich kaum etwas, was die Preise angeht. Genau wie in Irland sind die Wagen fast alle rechts gelenkt. In diesen beiden EU-Ländern bieten sich für den Import eher die Liebhaberfahrzeuge an.

In Österreich lohnt sich der Reimport von Gebrauchten gelegentlich. Die Fahrzeuge, die aus Österreich pro Jahr importiert werden, lassen allerdings sich an einer Hand abzählen. Der Österreicher muss auf jeden Neuwagen zuerst die NoVA (Norm Verbrauchsabgabe) entrichten. Die liegt je nach Verbrauch des Fahrzeuges zwischen fünf und 16 Prozent. Auf den Nettowarenwert und der NoVA werden dann noch einmal 20 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Somit sind die Gebrauchten natürlich auch teurer, da diese Steuerlast in dem Wagen enthalten ist.

Schweden: Der Import von Gebrauchten aus Schweden kann sich seit dem EU-Beitritt durchaus lohnen. Seit August 1996 hat Schweden die Gewichtssteuer ersatzlos fallengelassen. Nun sollte man denken, jüngere Gebrauchte würden dadurch auch günstiger. Weit gefehlt! Diese Steuersenkung nutzten die Importzentren, um die Preise drastisch zu erhöhen. Auch die Krone stieg gegenüber der Deutschen Mark an. Somit blieb preislich alles beim Alten. Also: Jüngere Gebrauchte sind manchmal interessant. Wer sich aber für ältere Modelle, so zwischen der 40ern und 70ern interessiert, kann mit etlichen Euro Ersparnis rechnen. In erster Linie sind die Marken Volvo und Saab von Interesse.

Finnland: Die Finnen haben ein ähnliches Steuersystem wie Dänemark. Auf Drittlandswagen werden zuerst einmal zehn Prozent Einfuhrzoll erhoben. Mit der Zulassungssteuer langt der finnische Fiskus kräftig zu. Es werden auf die Summe 100 Prozent Zulassungssteuer fällig. Auf diesen Gesamtbetrag werden dann die 22 Prozent Mehrwertsteuer (Einfuhrumsatzsteuer) erhoben. Auf Grund der hohen Besteuerung sind die jüngeren Gebrauchten natürlich auch teurer. Es lohnt sich also nicht. Wieder bleiben nur die älteren Gebrauchten oder Liebhaberfahrzeuge übrig. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass Finnland nur fünf Millionen Einwohner hat, ist auch der Fahrzeugbestand gering. Sich dort umzuschauen, lohnt sich also nur für Leute, die sowieso dort sind.

Aber der andere Weg ist von Interesse. Fahrzeuge aus der EU, in erster Linie Benelux-Länder, Dänemark und Spanien, gehen in großen Mengen nach Österreich. Hauptsächlich sind das Audi, BMW 3er-Reihe, 5er-Reihe und alle kleineren Mercedes-Benz-Modelle sowie Geländewagen aller Coleur.

Damit haben wir Ihnen ein wenig Überblick über den europäischen Markt in Sachen Gebrauchtwagenkauf verschafft.

In unserem EU-Importratgeber steigen wir natürlich noch viel tiefer in die Materie ein.